Die Brücke am Tay

Mit seiner Ballade über Die Brücke am Tay greift Theodor Fontane das grausige Ereignis des Eisenbahnunglücks im Schottland des Jahres 1879 auf. Es war der 28. Dezember in diesem Jahr, als ein vollbesetzter Eisenbahnzug über die Firth-of-Tay-Brücke fuhr. Ein starker Sturm setzte dessen Fahrt jedoch ein jähes Ende, als er die gerade mal anderthalb Jahre zuvor eröffnete Brücke wie Streichhölzer zerbrach. Nicht weniger als 75 Menschen riss der Zug in die Tiefe des Firth-of-Tay.

Die Brücke am Tay. Zu den Fakten

Die Eisenbahnbrücke über den Firth-of-Tay war über 3000 Meter lang. Der Ingenieur Thomas Bouch konstruierte die Brücke. Über die Brücke am Tay führte nur eine eingleisige Strecke. Um möglichen Katastrophen auf der eingleisigen Strecke zu begegnen, hatte man ein einfaches und funktionierendes System eingeführt.

Am Tag des Unglücks war ein Zug bestimmt, die Brücke am Tay zu überqueren. Es handelte sich um einen Schnellzug mit dem Namen Mail der North British Railway. Der Schnellzug verließ gegen 16:15 Uhr den Bahnhof Edinburgh Waverley in Richtung Dundee. Der Schnellzug führte insgesamt sechs Personenwagen. Er wurde von einer Schnellzuglokomotive mit Schlepptender (Achsfolge 2-B) gezogen. Noch um 19:14 Uhr wurde die Zugdurchfahrt über die Brücke am Tay per Telegraph an die Blockstelle am anderen Ende der Bücke übermittelt. Der Schnellzug sollte Dundee um 19:20 Uhr erreichen.

Am Abend des Unglückstags herrschte ein Sturm mit Windstärken von 10 bis 11 auf der Beaufortskala. Just gegen 19:00 Uhr erreichte der Sturm seinen Höhepunkt, also kurz bevor der Schnellzug in Richtung Dundee die Brücke befuhr.

Als der Schnellzug aus Edinburgh die den Mittelteil der Brücke am Tay gegen 19:17 Uhr befuhr, gab dieser nach und stürzte mit dem Zu in die Tiefe. Ursache war das Gewicht des Zugs und die Last des Orkans. Die mangelhafte Konstruktion der Brücke rächte sich für den Erbauer: sein Schwiegersohn wurde mit in die Tiefe hinabgerissen.

Auf beiden Seiten der Brücke wurde das Unglück beobachtet. Die Eisenbahnbediensteten beobachteten, wie die Lokomotive von der Brücke herabfiel und unter stiebenden Funken in die Tiefe stürzte. Die bahnbediensteten betraten die Brücke und näherten sich im Sturm teils auf allen Vieren kriechend der Unglücksstelle. Man erkannte schnell, dass der gesamte Mittelteil der Brücke auf einer Länge von etwa einem Kilometer in den Firth of Tay gestürtzt war.

Fontanes Ballade über die Brücke am Tay

Fontane greift mit seiner Ballade Die Brück’ am Tay das Ereignis auf und setzt es in den Kontext der Hexen aus Shakespeares Macbeth. Fontane möchte vor der Technikgläubigkeit (seiner Zeit) warnen, legt daher auch einer der Hexen die Worte „Tand, Tand / Ist das Gebilde von Menschenhand“ in den Mund.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild alanf

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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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