Fundbüro für Immaterielles: partizipative Kunstaktion im Pavillon

Wer die Hoffnung verloren hat, kann künftig im Fundbüro für Immaterielles vorsprechen. Eventuell hat ein anderer Hoffnung gefunden. Ob es in Sachen Liebe allerdings ehrliche Finder gibt, die sie wieder zurückgeben wollen, das bleibt offen.

Das Fundbüro für Immaterielles und die Idee dahinter

Das Ticketcorner-Häuschen „Pavillon“ am Werdemühlplatz in Zürich ist Schauplatz für eine der ungewöhnlichsten Beamtinnen der Alpenrepublik. Ein improvisierter Schalter dient als Bühne für die Schriftstellerin Tanja Kummer. Der Name ist dann auch teilweise Programm, wenn sie die Verlustmeldungen von überraschten Passanten entgegennimmt. Dafür ist dann die Hilfe mitfühlend und professionell. Die verlustigen Immaterialien werden genauestens katalogisiert. „War es eine große Liebe oder eher eine kleine? Wann genau haben Sie das Gefühl verloren?“.

Doch das neue Fundbüro 2 hat nur im Internet täglich geöffnet. Das Pavillon am Werdemühlplatz zwischen Polizeiwache und Sternwarte Urania hat nur einmal des Monats geöffnet. Wer also Hilfe bei verlustigen unfassbaren Gütern sucht, muss auf ein gutes Timing achten. Noch bilden sich keine Schlangen am Schalter von Tanja Kummer, doch das kann sich schnell ändern. Das Onlineformular nutzen übrigens etwa zwei Drittel aller Verlustmeldenden Züricher.

Eine Zielgruppe scheint sich auch herauszukristallisieren. Am häufigsten wird die Liebe als verloren gemeldet, so Patrick Bolle, der das Projekt ins Leben gerufen hat. Zum Nachdenken anregen, das ist es, was den Initiatoren des Projekts am Herzen liegt. Was ist der Wert einer Sache?

Die Journalistin Andrea Keller ist ebenfalls im Gründerteam. Das Projekt, welches bereits am ersten Tag cirka einhundert „Meldungen“ generierte, schließt auch weitere Aktionen ein. Dazu gehören Diskussionsrunden und stille Partys ein. Geplant sind auch Konzerte und Theatervorstellungen auf dem Werdemühlplatz.

Die partizipative Kunstaktion geht schnell über in eine künstlerische Stadtforschung über das Zusammenleben über. Dieser Context verbindet das Projekt auch mit den Vereinen zURBS „social-artistic urban laboratories“ und Nextzürich.


Bildnachweis: © Fotolia – Photocreo Bednarek

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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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