„thisisitgirl“ in der Schaubühne

„thisisitgirl“ in der Schaubühne. Der Genderabend in der Schaubühne von Patrick Wengenroth hatte am 16. September 2015 Premiere. Uns hat das Medienecho von thisisitgirl interessiert.

thisisitgirl: Antworten auf Frauenfragen

Zwei Stimmen haben wir im Netz aufgenommen. Zwei Stimmen zu den Frauenfragen in der Schaubühne. Ob man sie als Antworten verstehen mag, darüber zu urteilen, das überlassen wir euch, dem lieben Leser.

Christine Wahl vom Tagesspiegel

Iris Becher in der Inszenierung "thisisitgirl" der Schaubühne. (#1)

Iris Becher in der Inszenierung „thisisitgirl“ der Schaubühne. (#1)

Christine Wahl ergeht sich in mehr oder weniger sachter Lobhudelei. Der Job ist ihr wohl etwas schwierig. Einerseits kämpft sie mit dem Thema, das auf der Bühne offenbar in eine Serie von Klischees gemündet hat. Andererseits möchte sie offensichtlich unbedingt ein Lob loswerden und sucht hierfür einen Aufhänger.

Zugegeben: dieser Spagat erfordert viel Kraft und Energie. Echte Begeisterung liest sich allerdings anders. Mit aller Macht der ihr innewohnenden Verbalgewalt beschwört sie ein Buzzword nach dem anderen. „Sigmund Freud in der Stadionkurve“, „zuverlässiges Schenkelklopfer-Potenzial“, „unfreiwilliger Komik“, „Stereotypen-Kippfigur“, „Seine Komik ist hundertprozentig freiwillig“, „lässig-mehrbödigen Mischung“, „weibliches Paternalismus-Äquivalent“ und noch einige andere.

Trotzdem gelingt ihr leider nicht viel mehr, als einige Fragmente von der Bühne in ihre Zeilen zu zerren. Man hat den Eindruck, dass Autorin und Bühne einander weder gesehen haben, noch sich viel zu sagen gehabt hätten. Auch die Ausführungen über das Ensemble lassen den Eindruck entstehen, das die erforderliche Zeilenzahl noch nicht erreicht war.

Aus meiner Sicht ist dies sehr schade, denn über das Stück hätte man schon so manches wirklich Positive schreiben können. So jedenfalls habe ich dies aus Schilderungen der Kollegen entnommen, die der Schaubühne tatsächlich einen Besuch abgestattet haben.

Wer sich die Lektüre einmal selbst antun möchte, der wird hier fündig.

der Freitag

Iris Becher und Ulrich Hoppe in der Aufführung von Thisisitgirl der Schaubühne. (#2)

Iris Becher und Ulrich Hoppe in der Aufführung von Thisisitgirl der Schaubühne. (#2)

Der Blog-Beitrag des Freitag-Community-Mitglied Kultur_Blog_ lässt den kühlen Analytiker erkennen. Der Autor zeichnet nicht nur ein klares Bild von Patrick Wengenroths Offering auf der Bühne. Er seziert die Aufführung auf angenehme und bildhafte Weise. Man bekommt fast das Gefühl, sich an den eigenen Besuch erinnern zu können.

Klare Aussage des Autors: Thisisitgirl hat deutlichen Unterhaltungswert. Patrick Wengenroth illuminiert weniger die in den wechselnden Bildern angerissenen Genderthemen. Sein Fokus liegt mehr auf dem Triggern des Publikums mit den zwar allseits bekannten Themen und Klischees. Jedoch gelingt ihm ganz offensichtlich in der visuellen Präsentation der Sprung über die Fallgrube der Plattitüden hin zur Akzeptanz der Aufführung seitens des Publikums als gut inszenierte Unterhaltung.

Offenbar beherrscht Patrick Wengenroth sehr gut den Slalom zwischen Tempo, Komik und Führung des Publikums. Beim Lesen spürt man jedenfalls den Wunsch aufkommen, dem gerade gelesenen einen Abend der Studie und Selbsterfahrung in der Schaubühne folgen zu lassen.

Wer möchte, schaut hier selbst mal rein.


Bildnachweis: © alle Schaubühne
Titelbild: Ulrich Hoppe, Laurenz Laufenburg; Foto: Gianmarco Bresadola
#1: Iris Becher; Foto: Gianmarco Bresadola
#2: Iris Becher, Ulrich Hoppe; Foto: Gianmarco Bresadola

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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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